Hier stellen wir uns mal als Team Birkmann vor, weil wir das Thema Dialyse ja auch gemeinsam bewältigen müssen.

Wir wohnen in Friedrichsdorf am Fusse des Taunus und fühlen uns auch richtig wohl hier, denn einerseits noch etwas ländlich aber 20 km südlich sind wir in der schönen Stadt Frankfurt am Main. 

Und so sind wir seit 2002 glücklich zusammen und seit 2007, mit der Option auf die nächsten 40 Jahre, verheiratet. Und das obwohl man der Fusion Hesse/Saarländer nicht viel Feingefühl nachsagt. Jetzt aber im Einzelnen:

Mein Name ist Edeltraud Birkmann. Ich bin 1959 in Bad Homburg geboren. So mit 16 Jahren stellte man erstmalig eine Eiweißausscheidung fest und nach einer Biopsie stand die Diagnose FSGS fest. Lange ging alles ganz gut nur die Option war eher schlecht, da trotz Therapien die Eiweißausscheidung stieg. Zu Beginn der 2000er war dann der Kreatininwert auf 3g/dl, 2007 heirateten wir, 2008 Start der Zentrumsdialyse, dann noch einige Tiefs und 2009 im Sommer bin ich zur Heimdialysepatientin geworden.

Das war die beste Entscheidung für mich die ich aber nur mit Hilfe von Kai umsetzen konnte. Jetzt kann ich nur hoffen, es bleibt alles so wie es ist und das bis zur Transplantation. Alles wäre anders schöner - könnte man denken. Aber da man Gott sei Dank am Schicksal nichts ändern kann, müssen wir das Beste daraus machen. 

Meine Wünsche wären: Weiterhin schöne Reisen zu machen und das setzt voraus, dass ich soweit fit bleibe, das ich auch in meinem Beruf weiterarbeiten kann. Alles unter einen Hut zu bringen - Hobbies, Berufstätigkeit, Partnerschaft, Familie und auch Dialyse - ist nicht einfach, aber ich steh mit Rat und Tat zur Seite.

Im Dezember 2013 Abends beim Essen eröffnete mir Kai, dass er sich erkundigt hat und jetzt soweit wäre, mir eine seiner Nieren zu spenden. Nach vielen Diskussionen, auch Tränen und Sorgen, nachdem viele Hochs und Tiefs durchschritten wurden, wurden wir nach langer Vorbereitungszeit am 04.03.2015 inkompartibel transplantiert. Das größte Glück war, dass es Kai relativ zügig wieder gut ging und das habe ich als großen Segen empfunden. Das erste Jahr der TX ist bei vielen eher schwierig und so ist auch bei mir noch einiges dazu gekommen.

Aber langsam fühle ich mich wieder besser, bin aktiver und sehr dankbar das ich 3 Liter trinken darf, fast alles essen kann und so viel Zeit ohne Maschine verbringen darf. Egal was da jemals wieder kommen mag, diese Zeit jetzt und die hoffentlich nächsten Jahre werde ich niemals vergessen. Das war wohl unser Beider Projekt des Lebens.

Und ich, Kai Birkmann, bin 1962 im Ruhrpott geboren, im Saarland aufgewachsen und habe jetzt lebenslanges Asyl in Hessen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bevor ich Edel kennen lernte absolut keine Ahnung hatte, was Niereninsuffizienz und Dialyse überhaupt bedeuten. Ich glaube, das trifft auf fast jeden zu. Als ich Edel dann bei ihrer ersten Dialyse besuchte war ich einigermaßen geschockt. Dabei empfand ich die Maschine und die blutgefüllten Schläuche, die da aus meiner Frau raus kamen, nicht mal am schlimmsten. Nein, die Umgebung, der Anblick der vielen, sehr kranken Menschen, das ganze Leid um einen herum, der Lärm der alarmgebenden Maschinen, das hat mich getroffen. Und da sollte sich Edel nun drei mal pro Woche hin begeben? Welch ein Horror.

Als dann nach einigen Wochen von Edel der Wunsch kam, das ganze in Heimdialyse zu machen, konnte ich es sofort verstehen, hatte aber meine Bedenken. wie sollte das möglich sein? Schließlich bin ich kein Arzt, nicht mal ein Pfleger, was ist, wenn was schief geht, kann ich die Verantwortung überhaupt übernehmen?

Heute weiß ich, das diese Bedenken unbegründet waren. Auch wenn unsere Ausbildung unprofessionell verlief und man das Gefühl hatte, dass es unserem Dialysezentrum lieber gewesen wäre, wenn Edel weiterhin vor Ort dialysiert. Aber die Betreuung durch die PHV, die uns mit der ganzen Technik versorgte, war großartig.

Ich bewunderte Edel von Anfang an, wie sie es schaffte, sich selbst zu punktieren. Wir waren uns von Anfang an einig, dass Sie sich selbst punktiert, ich hatte zu große Angst, ihr weh zu tun. Aber nach gut einem Jahr des Zusehens wollte ich es doch auch wagen, denn wir dachten, dass es im Falle des Falles von Vorteil ist, wenn ich es im Notfall auch kann. Und siehe da, es klappte auf Anhieb. Zwar klopfte Edels Herz dabei sicher so schnell wie meine Hand zitterte, aber wir hatten es geschafft.

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